Montag, 17. märz 2008
So.

Viele alte Artikel von hier habe ich in meiner neuen Adresse eingespeist, und nun sind auch schon einige neue dabei. Willkommen also im neuen Doc- blog auf:

http://www.aerztlichepraxis.de

Ab jetzt ist er freigeschaltet!



Einfach  oben links "Blogs" anklicken und dann meinen Blog... Eine Anmeldung ist nicht nötig!

Viel Spaß beim Lesen!

Frauke Höllering


von Dr. Frauke Höllering Community: Wellness und Gesundheit
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Donnerstag, 13. märz 2008

So, nun konnte ich klären, wer meinen Blog bei www.aerztlichepraxis.de lesen kann: Fachkreise:

Fachkreise im Sinne des §2 des HWG sind Angehörige der Heilberufe oder des Heilgewerbes, Einrichtungen, die der Gesundheit von Mensch oder Tier dienen, oder sonstige Personen, soweit sie mit Arzneimitteln, Medizinprodukten, Verfahren, Behandlungen, Gegenständen oder anderen Mitteln erlaubterweise Handel treiben oder sie in Ausübung ihres Berufes anwenden.

Berufsgruppen, die auf die Informationen im geschlossenen Bereich zugreifen dürfen, sind also zum Beispiel:

  • Ärzte
  • Medizinstudenten
  • Apotheker und deren Fachpersonal
  • Medizinisches Fachpersonal von Praxen und Kliniken
  • Mitarbeiter der pharmazeutischen Industrie
  • Fachjournalisten
Wer sich dazuzählt, kann sich dort einloggen:http://www.aerztlichepraxis.de/rw_3_Reg_Registrieren_Registrierung.htm

Er/Sie bekommt dann ein Password, mit dem er/sie in den fachlichen Bereich eintreten kann. Hier erscheint im Laufe der nächsten Woche mein täglicher Blog. Vielleicht  mit etwas mehr "Fachchinesisch", aber in jedem Falle weiterhin für Laien verständlich. Schön, dass Sie wieder mitlesen können! Falls nicht mit dem eigenen Log In, vielleicht mit dem vom charmanten Nachbarn?
von Dr. Frauke Höllering Community: Wellness und Gesundheit
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Mittwoch, 12. märz 2008
Liebe Blogger aus der Gesundheits- Community,

es hat sich das kleine Problem ergeben, dass ich die Leitung unserer Community nicht einfach weitergeben kann. Kümmern kann ich mich aber auch nicht mehr darum, wie Ihr wisst. Eine Community ohne Moderator ist aber auch nicht so toll, darum hat "equilibriste" eine neue Community gegründet:

http://de.over-blog.com/com-1036677115/Wellness_und_Gesundheit.html


Sie ist ja schon hier mit ihrem Pimp- Yourself- Blog eine fleißige Schreiberin gewesen, und wird sich sicher gut um die  neue Plattform kümmern. Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch auch dort anmelden würdet, so dass wir die Gesundheits- Community einfach auslaufen lassen können. Ich habe meinen Blog dort auch angemeldet; falls ich mal wieder schreibe, wird es dort zu finden sein.

Danke und alles Gute erst einmal!

Frauke Höllering
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Dienstag, 11. märz 2008
Liebe Leserinnen und Leser,

in den drei Monaten, in denen mein Blog besteht, hat er erstaunlich viele Freunde gefunden. Das freut mich sehr! Ich habe aber auch festgestellt, dass es sehr viel Zeit  kostet, ihn immer mit neuen, interessanten Artikeln zu versorgen. Neulich habe ich das Angebot von www.aeztlichepraxis.de bekommen, dort einen täglichen Blog gegen Honorar zu schreiben. Nicht nur, weil das ein ehrenvolles Angebot für mich ist, sondern auch, weil ich nur halbe Tage in meiner Praxis arbeite und den Rest meines Lebensunterhaltes mit meiner "Schreibe" im weitesten Sinne verdiene, habe ich mit Freude zugesagt.

Ich dachte, ich könnte einfach dorthin "umziehen" , habe aber heute erfahren, dass der Bereich dort für meine  Kolleginnen und Kollegen gedacht und passwortgeschützt ist. Damit ändern sich sowohl meine Themen (jedenfalls ein wenig) , als auch meine Zielgruppe. Mir ist schmerzlich bewusst, dass ich es nicht schaffen werde, täglich (oder hier auch seltener) zwei verschiedene Beiträge zu schreiben. Darum werde ich mich bei Overblog verabschieden.

Es hat mir viel Spaß gemacht, und ich bin gerade deswegen traurig, weil es vieles gibt, was ich noch für "Laien" schreiben wollte. Es gibt so viel zu erklären! Jetzt hoffe ich, dass mein Buch ("Vom Halbgott in Weiß zum Hamster im Laufrad"), das beim Trias- Verlag verlegt werden soll, der aber noch wegen der Kosten zaudert), doch noch erscheinen wird.

Natürlich weiß ich, dass nichts für die Dauer besteht, und bin gespannt, was die Zukunft bringt. Auf alle Fälle hoffe ich, dass wir uns wieder irgendwo lesen!

Bis dahin, mit vielem Dank für die Treue und den allerbesten Wünschen,

Frauke Höllering
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Montag, 10. märz 2008
Wer 55 Jahre alt ist, sollte sich zur Vorsorge einmal spiegeln lassen; die meisten Patienten aber scheuen sich davor, weil sie gruselige Vorstellungen von der Koloskopie haben. Nicht anders geht es jüngeren Patienten, die sich aus anderen Gründen untersuchen lassen müssten; bis z. B. eine chronischen entzündlichen Darmerkrankung diagnostiziert wird (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), vergehen immer noch fast zwei Jahre nach Symptomenbeginn.

Für alle Betroffenen gab es schon vor längerer Zeit gute Nachrichten: Es gibt ein sehr gutes Kurzbetäubungsmittel, unter dem man von der Spiegelung gar nichts mitbekommt, und das prima vertragen wird! Man braucht keine Narkose mit Beatmung, sondern nur eine kleine Spritze;  ich freue mich immer noch über den Streit, den unser Gastroenterologe neuich nit einer Patientin hatte, die schwor, er habe sie gar nicht untersucht. Dabei war er längst fertig! Das Mittel Propofol verursacht eine "Erinnerungslücke", die das, was man evtl. unterbewusst vom Eingriff mitbekommen hat, in Vergessenheit geraten lässt.

Jetzt gibt es weitere gute Nachrichten: Es ist nicht mehr nötig, drei Tage vor der Untersuchung zu hungern, und am Tag davor vier Liter eklig schmeckende Flüssigkeit zu trinken! Man hat das übliche Abführmittel mit Vitamin C versetzt; dadurch schmeckt es besser und führt auch besser ab. Man muss nur noch am Tag  der Untersuchung und am Abend davor einen Liter davon trinken. Zudem darf man  bis zum Mittag des Vortages ganz normal essen (Nur keine Körner, damit wird der Darm nicht  so schnell fertig).

Jetzt gibt es wirklich keinen Grund mehr, sich vor nötigen Darmspiegelungen zu drücken, oder?
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Samstag, 8. märz 2008
Es ist schwer für einen Laien, die Qualifikation eines Arztes einzuschätzen. Wenn man Umfragen glaubt, suchen sich die meisten Patienten ihre Hausarztpraxis nach der Freundlichkeit ihrer Helferinnen aus! Ein Grund mehr übrigens, diese besonders sorgfältig auszuwählen.

Es gibt aber einen Hinweis auf die Ausbildung der Hausärzte, wenn  man schaut, was unter ihren  Namen auf dem Praxisschild steht.

Seit einigen Jahren darf sich nur noch als Hausarzt niederlassen, wer die Prüfung zum "Arzt für Allgemeinmedizin" gemacht hat. Das bedeutet: 4 Jahre Facharztausbildung in Innerer Medizin, Chirurgie und einem Wahlfach, dazu mindestens ein halbes Jahr Assistentenzeit in einer alllgemeinärztlichen Praxis. Dann folgt eine Prüfung; für mich war sie eine der schwersten, die ich je absolviert habe! Danach aber ist man für die Hausarzttätigkeit gut gerüstet.

2007 wurde eine neue Hausarzt- Qualifikation geschaffen: Der "Arzt für Innere- und Allgemeinmedizin".  Diese Weiterbildung dauert 5 Jahre, zwei müssen in einer qualifizierten Praxis abgeleistet werden, auch danach kommt eine Prüfung.  Leider herrscht noch Uneinigkeit in der Politik darüber, ob man diese besonders hochwertige Ausbildung nun will oder nicht. Darum darf, wer den Titel erworben hat, ihn noch nicht aufs Praxisschild schreiben! Schade... Ich habe ihn, aber auch ich darf ihn nicht führen. Ich warte darauf, bis man mir das endlich "offiziell gestattet".

Auf manchen Schildern kann man noch die Bezeichnung "praktischer Arzt" lesen. Die Praxisinhaber erhalten diese Bezeichnung, wenn sie nach Studienende 18 Monate ärztlich tätig waren. Dabei ist es egal, wo das war; es kann also sein, dass der Doktor nach 1 1/2 Jahren Röntgenmedizin Hausarzt geworden ist, ohne je Assistenzarzt auf einer inneren oder chirurgischen Abteilung im Krankenhaus gewesen zu sein. Natürlich gibt es auch Ärzte, die sehr viel länger vor ihrer Niederlassung in Krankenhäusern gearbeitet haben, aber die Pflichtweiterbildung in Innerer und Chirurgie. oder die Facharztprüfung nicht absolviert haben.

Die geringste Qualifikation hat derjenige, der nur "Arzt" auf dem Schild stehen hat.  Nur ein halbes Klinikjahr (egal, wo) brauchte man früher, bevor man sich mit dieser Bezeichnung niederließ. Manche haben natürlich nach der Niederlassung noch an ihrerFortbildung gearbeitet, aber dennoch bleibt der Makel einer sehr "mickerigen" Grundausbildung....

Heute bekommt nur noch der eine Zulassung, der eine Facharztausbildung in Allgemeinmedizin oder Innere- und Allgemeinmedizin hat. Das sollte unseren Patientinnen und Patienten ein gutes Gefühl geben! Ihre Hausärzte sind Fachärzte; genau wie ihre Spezialisten.

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Freitag, 7. märz 2008
Nichts wird in unserne Foren so ermüdend oft gefragt wie: "Wirkt meine Pille noch, wenn ich Antibiotika nehmen muss?"

Die Antwort ist: Wie man unten sehen kann, wird die Wirkung der Pille theoretisch durch allerlei Antibiotika beeinflusst, praktisch hat man aber keine vermehrten Schwangerschaften unter Pilleneinnahme und Antibiose gefunden. Jetzt sind wir also so schlau wie vorher.

Dazu denke ich folgendes: Wer Antibiotika nimmt, ist krank, will also nicht unbedingt Sex haben. Ist man wieder bereit zum Sex, sind es meistens nur ein paar Tage oder Wochen, bis der aktuelle Zyklus zu Ende geht. Was spricht dagegen, bei den paar Malen Sex in dieser Zeit (wenn es überhaupt so oft ist) sicherheitshalber ein Kondom zu verwenden??? Dann braucht man diese ganzen Infos gar nicht mehr zu lesen:


Kontrazeptive Wirkung der Pille wird vermindert durch:

- Antiepileptika (Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Carbamazepin, Ethosuximid)
- Tranquilizer / Neuroleptika (Diazepam, Chlordiazepoxid, Clorazepat, Meprobamat, Promethazin, Chlorpromazin)
- Johanniskraut-Präparate
- Tuberculostatika (Rifampicin)
- Antimykotica (Griseofulvin)
- Analgetika (Phenazetin, Phenazon, Phenylbutazon)
- Orale Antidiabetika (Tolbutamid, Carbutamid)
- Breitspektrumantibiotika (Tetrazyklin, Ampizillin, Cephalosporin)
- Haschisch

> zusätzlich 14 Tage Kondom, dann ist Pillensicherheit wieder vorhanden.

Verstärkte Wirkung der Pille durch Medikamente:

- Erythromycin
- Ketoconazol

Verminderung der Medikamentenwirkung durch die Pille:

- Antikoagulantien (Cumarin-Derivate)

Verstärkte Medikamentenwirkung durch die Pille:

- Cyclosporin
- Imipramin
- Cortison / Prednison



Theoretisch könnte es also zu einer Wirkungsabschwächung der Pille kommen. Die praktische Gefahr einer Abschwächung der Pille durch Antibiotika ist aber vermutlich extrem gering, die Studie "Oral contraceptive failure rates and oral antibiotics." (J Am Acad Dermatol. 1997 May;36(5 Pt 1):705-10.) konnte bei Pilleanwenderinnen nach Einnahme von gängigen Mitteln ( Tetracyclin, Penicillin und Cephalosporin) KEINE signifikante Zunahme von Schwangerschaften beobachten, zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch die Studie "Oral contraceptive efficacy and antibiotic interaction: a myth debunked." (J Am Acad Dermatol. 2002 Jun;46(6):917-23.).
_________________
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Donnerstag, 6. märz 2008
Es ist seltsam, dass manche Menschen wirklich eine panische Angst vor Spritzen haben! Viele Dinge, die wir im täglichen Leben so tun, können weit schmerzhafter enden, und wir stellen uns weniger an: Wenn wir uns beim Kochen in den Finger schneiden, fluchen wir kurz, kleben ein Pflaster auf die Wunde und kochen weiter.

Aber Spritzen  sind wohl anders. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass man sich fürchen MUSS, weil man ja weiß, wie weh es tut! Oft höre ich, wenn ich jemanden geimpft habe: "Das war schon alles?". Der Schmerzt war viel geringer als erwartet. Einmal habe ich mich mit einem jungen Mann sogar gestritten, der eine Spritze in den Po bekommen hatte (keine Impfung, denn die muss in den Arm). Er warf mir vor, ich hätte noch gar nicht gespritzt, während ich versicherte, dass alles schon erledigt sei. Er hatte es nur nicht gemerkt, weil ich vorher kurz an der entsprechenden Stelle "gewackelt" hatte und ihn damit abgelenkt.

Die Stärke des Schmerzes kann also nicht der Grund für die Panik sein, die manche angesichts der Nadel befällt. Was ist es dann? Hin und wieder fällt einer (ja, oft sind es junge Männer!) sogar in Ohnmacht, wenn man ihm Blut abnehmen will. Obgleich: Ich habe mal einen gestandenen Kerl aufgefangen, dem ich in der Ambulanz gerade einen Gips am Arm angelegt hatte; die Aufregung war wohl zuviel für ihn. Vielleicht ist es einfach die Angst vorm ungewohnten Unangenehmen, die die Nerven angreift.

Ich habe zwar Mitleid mit Menschen, die sich etwas fürchten, aber wenig Verständinis für  Fast- Erwachsene, die ein Riesentheater machen. ich habe kreischende, kämpfende Teenager erlebt, die nicht nur Ärzte und Schwestern, sondern auch ihre Eltern zum Wahnsinn treiben. Hier sage ich sehr bestimmt und merklich böse, dass man sich mal für eine Sekunde zusammenreißen müsse. Wer das nicht kann, muss wieder gehen.

Neulich saßen hilflose Eltern bei mir, weil die sechzehnjährige Tochter sich nicht  untersuchen lassen will, obgleich sie seit Monaten unter Durchfällen leidet. Ich bin der Meinung: Wenn sie sich benimmt wie ein Baby (auch sie kämpft und heult, wenn man ihr Blut abnehmen will), dann soll man sie bzgl. Kino, Handy oder Disco auch wie eines behandeln. Wer erwachsen werden will, muss auch mal auf die Zähne beißen können und seine Angst besiegen.  Heult und strampelt man wie ein Baby, braucht man weder Handy noch Party. Ich warte, wie sich die junge "Frau" entscheidet. Wenn sie weiterhin Theater macht, soll sie von mir aus weiterhin Durchfall haben.

Übrigens:  Kleinkinder sind oft, wenn man verständnisvoll mit ihnen umgeht, sehr tapfer bei Spritzen! Wenn es zu Tränchen kommt, sind sie meist schnell wieder getrocknet. Das sollte sich mancher zum Vorbild nehmen
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Mittwoch, 5. märz 2008
Neulich schrieb ich, dass  uns Hausärzten manchmal die Wertschätzung der Öffentlichkeit fehlt.

Leider  ist es nicht nur so, dass manche Politiker oder Privatleute  uns nicht richtig für voll nehmen, sondern auch einige unserer fachärztlichen Kollegen verhalten sich manchmal abfälliger, als es angemessen wäre.

Das geht schon mit der Unterscheidung "Hausarzt - Facharzt" los. So ein Quatsch! Ich bin Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin, eine Ausbildung, die mit mindestens 5 Jahren Weiterbildung inklusive Facharztprüfung der der anderen Ärzte in keiner Hinsicht nachsteht. Ich habe Blinddärme operiert, Herzinfarkte behandelt, Babies untersucht und  über 100 Entbindungen eigenständig betreut, darunter Zwillige und Beckenendlagen. Ich habe eine Intensiveinheit in einem krankenhaus betreut und bin seit 1987 regelmäßig als Notärztin unterwegs gewesen. 

Bei Verkehrsunfällen war ich  als erstversorgende Notärztin hoch angesehen, in der Chirurgie für meine schonenden Eingriffe beliebt. Muss ich jetzt als Hausärztin den Ausputzer für Krankenhauschirurgen spielen, die ihre Patienten zu früh entlassen und auf mich als Hausärztin hochnäsig herabsehen?

Nicht nur im Rettungswesen, sondern auch in meinen vielen Klinik- und Praxisjahren habe ich Menschenleben gerettet und als Stationsärztin der inneren Medizin auch unsere Intensiveinheit mitbetreut. Muss ich mich jetzt von Patienten fragen lassen, ob ich davon auch was verstehe, ich sei doch "nur"  Hausärztin?

Ich habe in Afrika in der Klinik in der Geburtshilfe gearbeitet, aber auch im Urwald in einer kleinen Station, nur auf mich und meine Krankenschwester angewiesen. Soll ich weniger wert sein als ein Frauenarzt, der irgendwo seine Praxis betreibt?

Am meisten ärgert mich, dass viele Patienten glauben, im Krankenhaus die besseren Ärzte vorzufinden. Dabei sind die Assistenten, auf deren Schultern die tägliche Arbeit ruht, meist erst einige Jahre (wenn überhaupt!) mit dem Studium fertig. In der Ambulanz trifft man auf wirklich "grüne Jungs und Mädels", die frisch von der Uni kommen. Wie kann man auf die Idee kommen, hier besser aufgehoben zu sein als bei einem gut ausgebildeten Hausarzt, der mindestens 4 Jahre Ausbildung plus Facharztprüfung nachweisen muss, bevor er sich niederlassen darf?

Zum Glück ist die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten unseres Krankenhauses, aber auch mit den meisten Fachkollegen hier vor Ort kollegial. Aber manchmal passiert es eben doch, dass ein Spezialist seine Patienten zu uns schickt, damit wir ihm die Medikamente verordnen, die er nicht auf sein Budget nehmen will. Oder er lässt ihn durch seine ganze Technik laufen, und wenn ihm nichts mehr einfällt (oder es nichts mehr zu verdienen gibt), sagt er, der Hausarzt solle nun weitermachen, er könne nichts mehr tun. Beides lasse ich mir nicht gefallen. Wenn der Patient beim Spezialisten in Behandlung ist, muss der die entsprechenden Medikamente auch verschreiben, und sich so lange um ihn kümmern, bis es ihm wirklich besser geht. Dafür greife ich dann auch schon mal zum Telefon, um meinem Herzen Luft zu machen!
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Dienstag, 4. märz 2008
Hunderte von Malen höre ich in Herbst und Winter die Klage: "Mich hat die Grippe erwischt!". Wenn das jemand in meinem Sprechzimmer sagt, weiß ich schon, dass es nicht stimmt. Die echte Grippe nämlich, auch "Influenza" genannt, wirft einen so von den Füßen, dass man es gar nicht mehr in die Praxis schafft.

Die Patienten, welche unter Schnupfen, Halskratzen, Husten und leicht erhöhter Temperatur leiden, haben einen "grippalen Infekt". Verursacher sind harmlose, aber lästige Viren,  von denen es Hunderte verschiedener gibt. Sie ärgern einen, wie schon unsere Großmütter wussten, "mit Arzt eine Woche und ohne Arzt sieben Tage lang". Antibiotika sind dagegen wirkungslos, die "Grippemittel" aus der Apotheke lindern höchstens die Symptome. Billiger (und genauso gut) kann man sich helfen, wenn man sich ein paar einfache Kopfschmerztabletten (ASS oder Paracetamol) und evtl. Nasentropfen besorgt und sich ein paar Tage im Bett ausruht.

Die echte Grippe ist schon eine ganz andere Herausforderung, die jährlich im Schnitt zehn- bis fünfzehntausend Tote fordert. Typisch für sie ist der schlagartige Beginn aus voller Gesundheit heraus: Erst fühlte man sich pudelwohl, und zwei Stunden später schwer krank (ein grippaler Infekt hingegen entwickelt sich langsam über ein bis zwei Tage). Typisch sind starke Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen und hohes Fieber. Schnupfen und Husten müssen nicht unbedingt dabei sein, können es aber.

Wer den Verdacht auf eine echte Grippe hat, sollte sich nicht scheuen, den Hausarzt ans Krankenbett zu holen! Es gibt Tabletten, die den Krankheitsverlauf  dramatisch bessern können, wenn man sie innerhalb von 48 Stunden nimmt.  Antibiotika allerdings sind hier wirkungslos. Untherapiert dauert die Grippe mindestens eine Woche; bis man sich wieder richtig fit fühlt, können drei Wochen vergehen. Nicht selten bleibt ein chronisches Müdigkeitssyndrom, manchmal eine Herzmuskelschwäche.
Der Hausarzt kann auch in den Rachen schauen, um eine bakterielle Mandelentzündung auszuschließen (die braucht Antibiotika!), und die Lunge abhören, ob sich eine Lungenetzündung entwickelt. In jedfem Falle ist strikte Bettruhe während der Erkrankung angesagt.

Wer sich hat impfen lassen (das geht von September bis  Januar am besten), ist zwar nicht völlig gesichert, erkrankt aber lange nicht so schwer, wenn es ihn dennoch erwischt.  Weil die Influenza gerade für Ältere und chronisch Kranke lebensgefährlich sein kann, soltlen die sich jeden Herbst durch eine Impfung schützen. Aber auch, wer sich eine längere Ausfallzeit nicht leisten kann (Selbstständige, Mütter o. Ä.) ist gut beraten, sich zu schützen.

Jetzt allerdings ist es für eine Impfung zu spät. Wenn die Grippe in Ihrem Wohnort umgeht, sollten Sie größere Menschenansammlungen meiden und besonders auf Hygiene achten. Bleiben Sie gesund!
von Dr. Frauke Höllering Community: Gesundheit
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Profil

  • : Dr. Frauke Höllering
  • medizin
  • : weiblich
  • : 9.11.1958
  • : Lesen reisen Spaß Golf Börse
  • : Ich habe eine Gemeinschaftspraxis in einer sauerländischen Kleinstadt, in der ich wirklich gerne arbeite. Das aber nur in der Hälfte meiner Zeit. In der anderen Hälfte schreibe ich (z. B. in der "Neuen Welt" oder bei Focus online).

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